Meditation, Medizin fürs Nervensystem

Eine Extraportion Bewusstheit

Was beim Meditieren passiert

Meditation ist keine Entspannungstechnik, auch wenn sie häufig so verkauft wird. Entspannung ist die Nebenwirkung der Meditation.

In der Meditation geht es darum, die Gedanken zur Ruhe zu bringen und das Bewusstsein zu fokussieren. Dieser Zustand lässt sich nur schwer erklären und kann nur selbst erfahren werden. Er ist ähnlich dem Tiefschlaf, nur dass Körper und Geist dabei hellwach sind. 

 

Ursprünge der Meditation

Unterschiedliche techniken und Methoden

 

Meditationstechniken sind uralt und entstanden in verschiedenen Kulturen. Im Ursprung waren dienten sie einer mystischen Erfahrung, es ging darum, sich ganz bewusst mit einem "höherem Selbst" oder "einer höheren Macht" zu verbinden. In der buddhistischen Philosophie ging (und geht) es um des Erreichen von "Erleuchtung", christliche Mystiker suchten in der Stille die Verbindung zum Schöpfer, hinduistische Yogis erstrebten einen Zustand frei von Anhaftungen an die (illusionäre) Welt und erfahren "reine Glückseligkeit jenseits von Zeit und Raum". So entstanden auch unterschiedliche Methoden wie die Achtsamkeits-Meditation auf den Atem (buddhistischer Ursprung) oder die Mantra-Meditation (eine heilige Silbe, wie z.B. OM wird laut oder in Gedanken wiederholt). Daneben gibt es viele weitere Techniken, wie beispielsweise die Geh-Meditation (aus dem Zen), bei der Schritte bewusst und achtsam mit der Atmung synchronisiert werden. Auch Yogaübungen, richtig ausgeführt, sind eine Form der Meditation in Bewegung. Trance-Reisen werden oft ebenfalls als Meditation bezeichnet, was jedoch nicht zutreffend ist. Der Zustand einer Trance unterscheidet sich deutlich vom Zustand während einer Meditation .

Medizin fürs Nervenssystems

Erkenntnisse der Gehirnforschung belegen die Wirksamkeit

Jenseits von aller Esoterik und Spiritalität ist der Nutzen der Meditation als Medizin für unser Nervensystem mittlerweile unumstritten. In den letzten Jahrzehnten ist das Phänomen Meditation von der Wissenschaft entdeckt und gut erforscht worden. Gerade in den letzten Jahren kamen Neurowissenschaftler zu einigen bahnbrechenden Ergebnissen. So wurde eindeutig nachgewiesen, dass regelmäßige Meditation das Erbgut positiv beeinflusst und die Zellalterung verlangsamt. Aus medizinischer Sicht ist Meditation sinnvoll, um Stress abzubauen und zur inneren Ruhe zu finden. Der Herzschlag verlangsamt sich, der Atem wird ruhiger und tiefer, Anspannungen weichen aus dem Körper. Während unser Gehirn im normalen Wachzustand Betawellen produziert, werden in der Meditation die niederfrequenten Alpha- und Thetawellen erzeugt. Thetawellen sind in den Traumphasen des Nachtschlafes aktiv, ebenso bei der Meditation. Dadurch unterscheidet sich Meditation von der bloßen Entspannung, bei der sich überwiegend Alphawellen zeigen. Während es bei Entspannungstechniken darum geht, einen gelösten und entspannten Zustand zu erreichen, wird bei Meditationsübungen angestrebt, die Konzentration, Bewusstheit und Achtsamkeit zu stärken. Meditation ist Wachheit, gesteigerte Aufmerksamkeit und gleichzeitig eine tiefe Entspannung.

 

Meditation gilt als ein Schlüssel für Positivität, inneren Frieden, Kreativität und Lebensfreude. Sie ist jedem Menschen grundsätzlich zugängig. Eine neue Sudie zeigt nun, dass schon acht Wochen regelmäßiger Meditation von jeweils 20-30 Minuten Dauer messbare Veränderungen in Hirnregionen bewirken, die beispielsweise für Selbstwahrnehmung, Erinnerung, Empathie und für die Balance von Stress und Entspannung zuständig sind. Diese Wirkungen dieses fokussierten Zustandes lassen sich in der Gehirnaktivität messen.

Mehr Gelassenheit und Lebensfreude gewinnen

Aus dem Gedankenkarussell aussteigen

Wir sind es gewohnt, ständig zu denken, ähnlich wie ein See, dessen Wasseroberfläche immer in Bewegung ist. So erscheint es fast unmöglich, in uns hineinzuspüren. Erst wenn die Wellen ruhig sind, können wir tiefer in uns hineinschauen. Die Meditation eignet sich auch besonders gut, um Zeit wieder intensiver erleben und genießen zu können. Wenn wir meditieren, richten wir unsere Wahrnehmung ganz bewusst auf das "Jetzt" und verlängern damit den Augenblick. So wirkt die Meditation auch der Reizüberflutung entgegen.

 Der vietnamesische Mönch, Schriftsteller und Friedens-Aktivist Thich Nhat Hanh beschreibt das Wesen der Meditation sehr anschaulich:

"In uns ist ein Fluss von Gefühlen, und jeder Tropfen darin ist ein anderes Gefühl, und jedes Gefühl braucht alle anderen, um zu existieren.Um den Fluss zu beobachten, setzen wir uns einfach an das Ufer und identifizieren jedes Gefühl, wie es auftaucht, vorbeifließt und verschwindet."

 

Meditation verhilft dazu, sich wieder sammeln zu können und innerlich ruhiger und gelassener zu werden. Jeder kann Meditation lernen, mittels Buch oder einer App fürs Smartphone. Wichtig für den positiven Effekt ist die Kontinuität. Unter Anleitung in einem Meditationskurs oder einem individuellen MeditationsCoaching  fällt es leichter, am Ball zu bleiben. Just do it!

 

Michael Weiger, Coach und Achtsamkeitstrainer